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Für Menschen, die an ihren Fingernägeln kauen, ist das tägliche Leben oft nicht einfach. Der Umgang mit vielerlei Gegenständen ist für sie schwierig oder auch unmöglich. Einfache Tätigkeiten, wie das Entfernen eines Schlüssels vom Schlüsselring, werden zum Dilemma.
Noch schlimmer ist jedoch der ständige Druck, die zerbissenen Nägel vor anderen Menschen im Alltag zu verstecken. Nicht nur vor fremden Menschen oder Kollegen ist der Anblick der eigenen Hände peinlich, sondern sogar vor der eigenen Familie.
„Knabberer“ haben Angst ihre Hände zu zeigen und schämen sich für deren Aussehen. Diese Angst ist eng verbunden mit dem Ruf des Nägelkauens. Es gilt als eklig an den Fingernägeln zu kauen, die Knabberer selbst als willensschwach und verzagt. Sätze wie „Nimm doch mal die Finger aus dem Mund, wie sieht denn das aus?“ oder „Sag mal, hast du ein psychisches Problem?“ sind Normalität.
Es gehört sich einfach nicht
Fingernägelkauen gilt nicht nur als hässlich und eklig, sondern auch weithin als ein untrügliches Zeichen für einen psychisch desolaten Zustand. Schon Mütter schleppen ihre Kinder zum Arzt und behandeln die Finger ihrer Sprösslinge mit übelschmeckenden Substanzen. Therapie, Kurse, Mittelchen- nichts soll unversucht bleiben, um so früh wie möglich das Daumenlutschen und Nägelkauen abzugewöhnen – es gehört sich einfach nicht.
Paradoxerweise ist die Aufmerksamkeit zu diesem Problem zweigeteilt. Die einen wissen noch nicht einmal von diesem Phänomen, andere achten als erstes darauf, wenn sie einem Menschen begegnen. Es gibt solche, die die verräterisch überkurzen Fingernägel erkennen, es gibt andere, die es eher als zu kurz geschnitten bezeichnen.
Im Teufelskreis gefangen
Trotzdem: diejenigen, die es erkennen, halten oft nicht mit ihrer Meinung zurück. Es wird gelästert, geschimpft, ausgelacht und - leider - auch geschlagen. Und dies zeigt sofort seine Wirkung bei den Betroffenen. Gleich einem Teufelskreis, verschlechtert sich ihre Stimmung weiter. Sie fühlen sich ausgegrenzt, zurückgesetzt und traurig. Die Folgen liegen auf der Hand: sie knabbern noch mehr, um diese Erlebnisse zu bewältigen. Oft sogar bis es blutet und weiter. Diese Selbstverletzung kann im schlimmsten Fall zu drastischerer Gewalt, beispielsweise Ritzen oder Kratzen, umschlagen.
Ein erster Schritt aus diesem Teufelskreis erfordert daher immer die Unterstützung von außen. Die Betroffenen müssen wieder spüren, dass sie von ihren Mitmenschen angenommen und geliebt werden. Nur so können sie eine neues Selbstbewusstsein entwickeln, dass sie zum Aufhören benötigen. |