Fingernägelkauen in der Geschichte E-Mail

Das Phänomen Fingernägelkauen ist schon sehr alt. Es ist nicht etwa nur die Form von Neurose des modernen Großstädters. Es ist ein altbekanntes Problem, dass erst seit jüngster Zeit mehr Aufmerksamkeit erhält.


Das Nägelkauen war früher gleichgesetzt und gleich geächtet mit dem Daumenlutschen. Die Abwehrmethoden waren auch dementsprechend rau. Wenn Kinder den Finger in den Mund steckten, gaben die Erzieher einen Klaps oder schmierten die Nägel der Betroffenen mit übelriechenden Substanzen ein.

Es tauchten viele verschiedene Methoden auf, um besonders Kindern das Kauen abzugewöhnen. Ob Senf, Pflaster auf jedem einzelnen Finger, Ketchup, Salz, Tabasco, Tipp-Ex – die Liste der Entwöhnungsmittel ist ewig lang. Kinder mussten sich der regelmäßigen Kontrollen unterziehen und bekamen Stubenarrest, wenn sie rückfällig geworden waren. Dies förderte zusätzlich den Stress und somit auch das Knabbern.

 

Senf und Kuhdung

 

In einigen Fällen schreckten die Angehörigen auch nicht vor Kuhdung zurück, um den Betroffenen das Kauen abzugewöhnen. Zu diesem Zeitpunkt war längst noch nicht bekannt, dass das Nägelkauen eine Folge von tiefgreifenden psychischen Problemen ist. Es war eine schlechte Angewohnheit, die es zu beheben galt.

Erst später, mit fortschreitenden Kenntnissen in der Psychologie, erkannten Forscher und Ärzte die Ursachen für das Nägelkauen. Betroffene berichteten von Stresssituationen, in denen das Knabbern besonders stark und rauschartig über sie kam. Nach dem Kauen fühlten sie sich entspannter als zuvor. Trotzdem deuteten die Ärtze es immer noch falsch und stuften das Knabbern als Angstzustand ein.

Dies widerlegte sich schnell durch die Tatsache, dass auch ausgeglichene Menschen aus stabilen Familienverhältnissen an den Fingernägeln kauen. Seitdem ist die brennende Frage nach Ursachen und wirkungsvollen Therapien gegen das Nägelkauen bis heute nicht geklärt.